Aga Trio - Lieder aus Armenien, Georgien und der Türkei

Donnerstag, 19.03.2020; 20:00 Uhr

Im Laufe der Geschichte sind die Ortschaften des Südkaukasus und Anatoliens Zeugen von vielen Begegnungen und ebenso vielen Trennungen geworden. Die Völker dieser Region haben in ihrer Heimat an glücklichen Tagen Hand in Hand miteinander getanzt, haben an vielen Tagen jedoch – durch die Folgen von Kriegen und Völkermorden auf der Flucht – ihre  Klagelieder gesungen. Die Musik dieser Regionen ist im Laufe der Zeit auch mit anderen Gesellschaften in Kontakt gekommen und hat nach verschiedenen Wandlungsprozessen die Gegenwart erreicht. Melodien, die von Generation zu Generation überliefert worden sind, werden nun von drei aus der Türkei, Armenien und Georgien stammenden Musikern interpretiert.

In seiner Tasche befanden sich seine Kavals und die ihm seit seiner Kindheit geläufigen Melodien, als Deniz Mahir Kartal im Juni 2017 für die Erforschung der “Türkisierten armenischen Musik” nach Jerewan, die Hauptstadt Armeniens, reiste. Während der Recherche arbeitete er gemeinsam mit dem Duduk-Spieler Arsen Petrosyan an dem Projekt, das Liedgut ihrer Länder zu sichten und zu sammeln. Die beiden Musiker haben dann entschieden, ihre Arbeit nicht auf die Erforschung der Lieder zu begrenzen, sondern sie im Rahmen eines Projektes auf die Bühne zu bringen und aufzuzeichnen.

Deniz Mahir Kartal ist in der östlichen Schwarzmeerregion der Türkei aufgewachsen, in der die georgische Kultur nach wie vor sehr lebendig ist, während Arsens Abstammung auf die in Georgien lebenden Armenier zurückgeht. Dementsprechend war ihnen der “geographische” Weg ihrer musikalischen Reise klar; dem Team schloss sich daraufhin auch der Akkordeonist Mikail Yakut an, der ebenfalls georgische Wurzeln hat.

Die Hirtenflöte “Kaval” aus der Türkei,  das Holzblasinstrument “Duduk” aus Armenien und das Akkordeon aus Georgien gehören zu den am weitesten verbreiteten Instrumenten in diesen Ländern. Im Konzert erfahren die Zuhörer, wie sich der Zusammenklang dieser Instrumente in den Melodien mit teilweise gemeinsamen Wurzeln zu einer neuen, besonderen Harmonie transformiert. Die Lieder des Repertoires sind in erster Linie nach ihrer Thematik und Geschichte ausgewählt – und es sind Melodien, die die Musiker seit ihrer Kindheit kennen.

Eine weitere Besonderheit des Konzerts besteht darin, dass die für drei unterschiedliche Kulturen charakteristischen Instrumente den Zuhörern anhand solistischer Beispiele vorgestellt werden.

Musikerbiographien

Deniz Mahir Kartal wurde 1987 in Istanbul geboren. Von 2005 bis 2011 studierte er türkischen Volkstanz an der Technischen Universität Istanbul. Er schloss das Studium mit dem Bachelor ab. Neben dem Tanz gilt seine Leidenschaft vor allem der Musik. Mahir spielt Duduk, Kaval und andere traditionelle Instrumente, sowie Saxophon und Gitarre. Er macht seit seinem fünften Lebensjahr Musik und arbeitet an vielen Projekten, die sich den unterschiedlichsten Musikrichtungen verschrieben haben, von anatolischer Musik über Balkan/Ska/Reggae bis hin zur Elektronik. Er spielt in verschiedenen Bands aus der Türkei, Schweden, Deutschland und Tschechien. Seit 2013 lebt Mahir in Berlin. Er hat viele neue Kontakte in der Berliner Musikszene geknüpft und gibt regelmäßig Konzerte in ganz Europa. Momentan konzentriert er sich vor allem auf sein Soloprojekt ‘KafaNar’, bei dem er mit seinen verschiedenen Instrumenten, Gesang und Loops einen hypnotischen tanzbaren Sound erzeugt.

Arsen Petrosyan ist ein junger Duduk-Meister, der vielfach für sein Talent ausgezeichnet wurde. Er lebt in Charentsav, Armenien. Als musikalisches Wunderkind begann er seine Ausbildung mit sechs Jahren und lernte mit seinem Mentor Krikor Khachtryan die Shvi, ein armenisches Blasinstrument. Er studierte am Armenischen Staatskonservatorium Komitas in Yerevan bei dem berühmten Duduk-Meister Gevorg Dabaghyan und legte dort sein Examen ab. Trotz seiner Jugend (er wurde 1994 geboren) ist Arsen Petrosyan ein versierter professioneller Musiker, der schon viele Tourneen absolviert hat. Er trat in den USA, Russland, Kanada, Indien, Spanien, Deutschland, Georgien und natürlich Armenien auf. Momentan spielt er als Solist beim Jnar Armenian Traditional Music Ensemble (Jerewan) und tritt mit seinem eigenen, kürzlich gegründeten Ensemble „Arsen Petrosyan Trio“ auf. Arsen Petrosyan überschreitet die Grenzen traditioneller Musik. Er lädt sein Publikum auf eine Reise ein, die über Armenien hinaus in viele Länder führt. Die Welt liegt ihm zu Füßen. Seine vielfältige Zusammenarbeit mit anderen Musikern ist ein eindrücklicher Beweis dafür.

Mikail Yakut wurde 1987 in der Türkei geboren. Bis 2012 spielte er mit unterschiedlichen Volksmusikgruppen, u.a. Volksmusik aus Anatolien und aus dem Kaukasus, in Istanbul. Von 2007 bis 2013 studierte er Soziologie an der Boğaziçi Universität Istanbul – WS 2011/12 Erasmus Stipendium an der Freie Universität Berlin. Danach übersiedelte er nach Berlin und studierte Musikpädagogik im Hauptfach Akkordeon mit dem Schwerpunkt klassische Musik und im Nebenfach Jazz-Piano an der BTU Cottbus. Seinen musikalischen Schwerpunkt legt Mikail Yakut auf die traditionelle Musik aus Anatolien, dem Kaukasus und aus Osteuropa. Es ist diese Musik, die Mikails virtuoses Spiel am intensivsten prägt. Gleichzeitig ist er stark beeinflusst von der klassischen Musik, der zeitgenössischen Musik und dem Jazz. Mikail Yakut gelingt es, in seinem musikalischen Spiel die unterschiedlichsten Musikrichtungen miteinander zu mischen und auf dieser Grundlage Raum für Improvisation zu schaffen. So überschreitet er nicht nur Genregrenzen, sondern auch kulturelle Grenzen.

 

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